Piano News - March/April 2007 - Written by Carsten Dürer

Jüngere Interpreten-Geschichte
Aufnahmen aus den 70er und 80er Jahren

Jerome Rose, Paul Badura-Skoda und Annie Fischer - drei vollkommen unterschiedliche Pianisten mit Neuveröffentlichungen alter, aber nicht allzu alter Einspielungen auf dem CD-Markt: grandiose Hörerlebnisse!


Genau kann man das Aufnah¬medatum dieser Gesamtein¬spielung der Zyklen “Années de Pèlerinage", der Wanderjahre von Franz Liszt aufgrund der fehlen¬den Angaben im Booklet nicht be¬stimmen. Doch, da these Einspie¬lung bereits 1975 den “Grand Prix du Disque" der Ungarischen Franz Liszt Gesellschaft mit Sitz in Buda¬pest erhalten hat, sprechen wir von einer Aufnahme vom Beginn der 70er Jahre. Der amerikanische Pia¬nist Jerome Rose hat gut daran ge¬tan, diese Gesamteinspielung nun nochmals - digital überarbeitet - herauszugeben. Denn zum einen ist es tatsächlich so, dass in den ver¬gangenen Jahren immer wieder Teile dieser Zyklen in ein Liszt-Pro¬gramm eingefügt auf CD erschei¬nen, nur seltenst aber die komplet¬ten Zyklen eingespielt werden. Zum anderen aber ist die vorliegende Einspielung eine, die Jerome Rose auf der absolut pianistischen Höhe zeigt. Wie er die Musik Liszts, ihre Virtuosität einerseits, die Lyrik and Trauer, die Düsternis and Freude darzustellen versteht, zeigt, dass er sich mit Liszt sein Leben lang be¬schäftigt hat - auch zu diesem Zeit¬punkt. Schade nur, dass Rose - und das hört man sogleich - keinen bril¬lanten Flügel zur Verfügung hatte. Extrem hart and klirrend klingt das Instrument im Diskant, etwas muf¬fig in den Mitten. Dennoch weiss Je¬rome Rose auch aus diesem Instru¬ment famose Klänge zu zaubern, ihm Weichheiten in den Petrarca¬Sonetten zu entlocken, es aufbrau¬sen zu lassen, wenn der dramatische Höhepunkt von “La Vallée d'Ober¬mann" erreicht wird. Überhaupt scheint Rose vor allem an der Durchsichtigkeit and Darstellung von Liszts Leidenschaft, umgesetzt in Klaviermusik, zu liegen denn an virtuoser Selbstdarstellung. Wie in¬tensiv klingt da das mit viel Ruhe angegangene “Sposalizio" oder das andächtige “Angelus". Jerome Rose zeigt sich hier als Pianist, der hinter die Noten sieht, der Liszts sensible Seele zu verstehen scheint. Und so ist diese Gesamtaufnahme ein gran¬dioses Beispiel aus der Hochzeit ei¬nes Pianisten, der immer noch aktiv ist. Schade, dass über ihn und die Aufnahmen selbst keinerlei Infor¬mationen im Booklet enthalten sind.




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